Sie sind hier: Startseite << Familie << Familie hat viele Gesichter << Bi-kulturelle Familien


Bi-kulturelle Familien

Bi-kulturelle Familien in Deutschland: Ihr Alltag ähnelt in vielem dem deutscher Familien - in manchem ist er sehr unterschiedlich.

Oft werden zwei Sprachen in der Familie gesprochen. Die Kinder sehen manchmal fremdländisch aus. Es werden andere Feste begangen, nicht selten treffen verschiedene Religionszugehörigkeiten aufeinander. Der Freundeskreis ist meist international. Ihren Urlaub verbringen diese Familien oft nicht als Touristen, sondern besuchen ihre Verwandten in der Türkei, in Frankreich oder Vietnam ...

Bi-kulturelle Familien verbinden Normen und Werte aus verschiedenen Lebenswelten. Dieses Spannungsfeld zwischen zwei Kulturen erfordert von der ganzen Familie ein hohes Maß an Flexibilität.

Bi-kulturelle Familien bieten besondere Chancen: Sie können beispielgebend sein für das Bemühen um Toleranz und Achtung gegenüber anderen Kulturen.

Die Kultur prägt die Menschen
Kinder aus bi-kulturellen Familien
Staatsangehörigkeit der Kinder
Müssen sich Kinder aus bi-kulturellen Familien für ein Land entscheiden?
Zweisprachigkeit
Das Paar

Die Kultur prägt die Menschen

Der Einfluss der Kultur, in welcher man aufgewachsen ist, darf nicht unterschätzt werden. Die seit Geburt von den eigenen Eltern übernommenen Werte prägen ein Leben lang.

Gehören beide Eltern der gleichen Nationalität an, greifen sie in der Regel auf einen gemeinsamen Fundus an Verhaltensweisen und Werten zurück. Partner mit unterschiedlichen Nationalitäten können dies nicht.

Je nach Herkunftsland des nicht-deutschen Partners wirken unterschiedliche Denkweisen mehr oder weniger deutlich in den Familienalltag hinein. Das kann bereits bei der Namensgebung des Kindes oder seiner Religionszugehörigkeit beginnen.

Das Maß der kulturellen Unterschiede innerhalb einer Familie kann eine enorme Bandbreite haben. Deutsche heiraten Spanier, Brasilianer, Thailänderinnen ... Eine Familie mit deutsch-türkischen Eltern wird andere Eigenheiten aufweisen als eine Familie mit deutsch-französischen Eltern. Insbesondere, wenn die Religionszugehörigkeit unterschiedlich ist, kann dies einigen Konfliktstoff bergen.

Eine wichtige Voraussetzung ist die Kenntnis der anderen Kultur. Wer hat die Autorität in einer marokkanischen Familie? Wie werden die Jungen und Mädchen in einer türkischen Familie erzogen? Wie ist die Rollenverteilung in Südafrika? Was erwartet ein Vietnamese von seiner Frau?

Dabei darf man sich nicht täuschen lassen: Es gibt tausend Unterschiede von Land zu Land. Auch in Staaten, die dem gleichen Kulturkreis wie dem unseren zugeordnet werden können, herrschen andere Gebräuche und Werte.

Viele wesentliche Besonderheiten liegen so tief, dass sie den Menschen nicht bewusst sind.

Es gibt Kulturen, die eine patriarchale Beziehung kennen (zum Beispiel Griechenland), andere eine Beziehung der Gleichberechtigung (zum Beispiel England). In vielen Kulturen zählt die Großfamilie, in anderen die Kernfamilie zum Familienkreis. Oft unterscheidet sich die hierarchische Stellung der Kinder je nach Geschlecht.

Missverständnisse oder Verletzungen müssen von Beginn an in Betracht gezogen werden. Da hilft nur: Reden, sich austauschen, klarstellen, wie man sich in der Familie fühlt, welche Wünsche und Vorstellungen man hat.

Und auch den anderen in seiner kulturellen Eigenart verstehen und respektieren. Eine Japanerin, die von ihrem Mann aufgefordert wird, über ihre Gefühle zu sprechen, muss erlernte Gesprächsregeln übertreten. Ein Marokkaner, der seine Familie dominiert, tut dies nicht aus Böswilligkeit, sondern, weil er es so gelernt hat.

Die Normen der eigenen Kultur kann man nicht einfach fallen lassen. Aber man kann gemeinsam einen Weg finden, der den Vorstellungen beider Partner gerecht wird.

Kinder aus bi-kulturellen Familien

Kinder aus bi-kulturellen Familien wachsen mit zwei Kulturen auf, lernen zwei Sprachen und haben Bindungen auch an das Herkunftsland des nicht-deutschen Elternteils. Die Verschiedenheit der Lebensweise, von Alltagsgepflogenheiten, Sprachen, Religionen erleben sie als Normalität. So können sie Erfahrungen machen und Kompetenzen entwickeln, die nicht nur die persönliche Entwicklung bereichern.

Trotzdem empfinden sie sich nicht selten als "irgendwie dazwischen". Ihre Umwelt nimmt sie - insbesondere, wenn sie fremdländisch aussehen - als "anders" oder "nicht dazugehörig" wahr.

Dies wird für die Kinder spätestens mit Eintritt in den Kindergarten oder in die Schule deutlich. Probleme bereiten beispielsweise sprachliche Schwierigkeiten oder Unsicherheiten in den üblichen Verhaltensweisen. Sie müssen Auseinandersetzungen im sozialen Umfeld wie Kommentierung eines untypischen Aussehens, Fragen nach der Herkunft und Zuordnung führen. Nicht selten wird ein Einblick in das Familienleben gefordert, der weit über die üblichen Grenzen hinausgeht.

Hinzu kommt oft der elterliche Druck in Bezug auf Zweisprachigkeit.

Noch problematischer wird es für sie, wenn sie auch in ihrer "Zweitheimat" ablehnend behandelt werden.

Zentral ist jedoch - wie in jeder Familie - die gefühlsmäßige Bindung untereinander. Die Eltern haben zwei verschiedene Pässe ? dies kann zu einer besonderen Situation der Familie führen. Entscheidend jedoch für die Entwicklung der Kinder sind Liebe, Vertrauen, Anerkennung ...

Staatsangehörigkeit der Kinder

Eheliche Kinder erwerben automatisch die deutsche Staatsangehörigkeit bei der Geburt, wenn ein Elternteil deutsch ist. Dabei spielt keine Rolle, ob das Kind im In- oder Ausland geboren wurde.

In der Regel (je nach Staatsangehörigkeitsrecht des Heimatstaats) erwerben sie auch noch die Staatsangehörigkeit des nicht-deutschen Elternteils.

Einige Staaten verlangen, dass sich das Kind bei Erreichen der Volljährigkeit für eine der beiden entscheidet.

Nicht-eheliche Kinder erhalten automatisch die deutsche Staatsangehörigkeit, wenn die Mutter deutsch ist.

Ist sie das nicht, muss der (deutsche) Vater die Vaterschaft offiziell anerkennen, damit das Kind einen deutschen Pass bekommt.

Müssen sich Kinder aus bi-kulturellen Familien für ein Land entscheiden?

Kinder aus bi-kulturellen Familien werden oft gefragt, für welches Land sie sich entscheiden: Das Land, in dem sie leben oder das Land, aus dem ein Elternteil stammt?

Manche versuchen, beide Anteile zu behalten und erleben sich als Wanderer zwischen den Kulturen. Sie sind relativ flexibel und gelassen. In Deutschland fühlen sie sich als Deutsche, in Brasilien als Brasilianer ... Vor allem Mädchen sind eher Grenzgängerinnen. Sie entscheiden sich für keine Seite.

Andere Kinder möchten sich mit diesem Thema überhaupt nicht auseinander setzen. Für sie ist der hiesige Alltag entscheidend.

Eine kleine Minderheit entscheidet sich für eine Zugehörigkeit und ignoriert ihre Wurzeln.

Einige Kinder und Jugendliche besitzen die doppelte Staatsangehörigkeit. Eine Entscheidung zwischen beiden Nationalitäten wird eher noch durch den Wehrdienst notwendig. Auch im Zusammenhang mit der Berufswahl kann die Staatsangehörigkeit bedeutsam werden. Wird die zweite Sprache entsprechend gut beherrscht, kommt hier durchaus das Zweitland in Frage.

Zweisprachigkeit

Sehr häufig wachsen Kinder aus bi-kulturellen Familien zweisprachig auf. Oft besuchen sie zusätzlich zur Regelschule Sprachunterricht.

Dem fremdsprachigen Elternteil ist es meist sehr wichtig, dass die Kinder die Sprache des Herkunftslandes erlernen. Sie stellt eine Verbindung zur Heimat her. Und bei einem Besuch im Heimatland des jeweiligen Elternteils tragen die Sprachkenntnisse deutlich zu einem guten Kontakt zu Verwandten und Bekannten bei.

Zu viel Druck ist allerdings ungünstig. Wird zu Hause die zweite Sprache nur selten und unregelmäßig gesprochen, empfinden die Kinder die Zweitsprache als künstlich. Sie steht einfach im Gegensatz zu der Sprache der Umwelt.

Möchten Eltern, dass ihr Kind die zweite Sprache gut erlernt, sollten sie mit ihrem Kind auch in ihrer Muttersprache sprechen und den Besuch einer Sprachschule fördern. Denn oft wird erst im Jugendalter die Zweitsprache als Chance begriffen.

Das Paar

Das Leben von bi-kulturellen Familien ist nicht selten geprägt von Genehmigungen, Verboten, Duldungen und so weiter.

Um eine Aufenthaltserlaubnis zu erhalten, muss das Paar heiraten. Auch dann wird in der Regel nur eine Aufenthaltserlaubnis für die Dauer von drei Jahren erteilt. Danach kann auf Antrag eine unbefristete Aufenthaltserlaubnis erteilt werden.

Erst nach langjährigem Aufenthalt und / oder mehrjähriger Ehe hat der nicht-deutsche Ehepartner ein von seinem deutschen Partner unabhängiges Bleiberecht.

Hinzu kommen oft Schwierigkeiten bei der Arbeitssuche und (zunächst) geringe Sprachkenntnisse. Es entsteht ein Abhängigkeitsverhältnis gegenüber dem deutschen Partner. Dieser kann mit der großen Verantwortung überfordert sein, der nicht-deutsche Partner wiederum fühlt sich möglicherweise zurückgesetzt.

Die kulturellen Unterschiede fördern einigen zusätzlichen Konfliktstoff zutage. Trotzdem nehmen kultur-verschiedene Paare es auf sich, zum Teil gewaltige Unterschiede zu erleben, zu genießen und zu erleiden.

Wichtig ist ein intensiver Austausch über Vorstellungen und Wünsche in der Beziehung. Gegenseitiger Respekt und Verständnis auch dafür, dass der nicht- deutsche Partner Kontakte zu Menschen aus seinem Heimatland braucht, helfen, eine für beide Partner befriedigende und harmonische Beziehung zu gestalten.