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Vernachlässigung

Je jünger das Kind, umso mehr ist es auf die Ernährung, Pflege, gesundheitliche Versorgung, Aufsicht, Schutz und Anregung durch seine Erziehungspersonen angewiesen.
Eltern, die bei ihrem Kind diese grundlegenden Lebensbedürfnisse nicht oder nicht ausreichend wahrnehmen, sie andauernd oder wiederholt nicht erfüllen, beeinträchtigen oder schädigen die Entwicklung ihres Kindes.

Was ist unter körperlicher Vernachlässigung zu verstehen?
Was ist unter seelischer Vernachlässigung zu verstehen?
Welche Folgen können entstehen?
Wohin können sich betroffene Eltern und Mitbürger wenden?
Können sich Kinder und Jugendliche selbst Hilfe holen?

Was ist unter körperlicher Vernachlässigung zu verstehen?

Körperliche Vernachlässigung ist Ausdruck einer Überforderung der Eltern im Hinblick auf die alltäglich notwendige Grundversorgung des Kindes. Sie zeigt sich an unzureichender Ernährung, mangelnder Körperpflege und unhygienischer, unangemessener Kleidung.

Häufig sind die Schlafenszeiten des Kindes unregelmäßig und seinem Alter nicht entsprechend. Auf die Gesundheit des Kindes wird nicht geachtet. Trotz Erkrankung wird beispielsweise eine ärztliche Behandlung nicht wahrgenommen.

Was ist unter seelischer Vernachlässigung zu verstehen?

Häufig gesellt sich zu der körperlichen Vernachlässigung eine emotionale Vernachlässigung, die sich in zu wenig Aufmerksamkeit, Liebesentzug, ständiger Gefühlskälte bis hin zu Feindseligkeit zeigt.

Das Kind erhält nur wenig Zuwendung und Förderung. Es wird nicht altersentsprechend beaufsichtigt, vor Gefahren nicht geschützt. Notwendige Regeln des Zusammenlebens werden nicht vermittelt. Oft fehlen dem Kind soziale Kontakte zu Gleichaltrigen und Erwachsenen.

Vernachlässigte Kinder sind für einen längeren Zeitraum der fehlenden Versorgung, Nichtbeachtung oder Missachtung ausgesetzt.
Seelische Vernachlässigung kommt in allen sozialen Schichten vor. Sie kann beispielsweise auch durch Überschütten mit Spielzeug oder anderen materiellen Angeboten ausgedrückt werden, falls gleichzeitig emotionale Bindungen und persönliches Interesse für die Kinder fehlen.

Welche Folgen können entstehen?

Körperliche Vernachlässigung wie beispielsweise nicht ausreichende Flüssigkeit und Nahrung können insbesondere bei Säuglingen und Kleinkindern von gesundheitsschädlicher bis hin zu lebensbedrohlicher Körperaustrocknung, Unterernährung oder bis zum Tode führen. Gesundheitsgefährdend können sich auch eine extreme Vernachlässigung der Körperpflege oder eine der Witterung unangepasste Kleidung auswirken.

Emotionale Vernachlässigung wie zu wenig Zuwendung, Gefühlskälte oder Feindseligkeit der Eltern können zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen, zu körperlichen, seelischen und geistigen Entwicklungsstörungen führen.

Je jünger ein vernachlässigtes Kind ist, umso größer ist das Risiko bleibender Schäden in seiner körperlichen, seelischen und geistigen Entwicklung bis hin zu lebensbedrohenden oder tödlichen Folgen.

Vernachlässigung im Säuglingsalter kann sich in einer Bindungsunfähigkeit, im Kleinkindalter in Beziehungsstörungen auswirken. Auch das ältere Kind kann in seinem Persönlichkeits- und Selbstwerterleben in schwer wiegender Weise angegriffen und geschädigt werden.

Wohin können sich betroffene Eltern und Mitbürger wenden?

Informationen, Beratung und Hilfe werden sowohl von den Kinderschutzeinrichtungen, Erziehungs- und Familienberatungsstellen als auch von dem jeweils örtlichen Kreis- oder Stadtjugendamt angeboten.

Wichtige Anschriften beratender Einrichtungen in Bayern können dem Internet unter www.gewaltschutz.bayern.de oder unter www.blja.bayern.de/einrichtungen sowie der Broschüre "Handeln statt Schweigen" entnommen werden. Diese Broschüre kann kostenlos beim Bayerischen Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Frauen, Winzererstraße 9, 80797 München angefordert werden.

Rat suchende Eltern, die sich nicht offiziell an eine Beratungsstelle wenden wollen, können sich auch anonym über das Elterntelefon informieren und beraten lassen. Dieses beim Kinderschutz-Zentrum angesiedelte, gebührenfreie Elterntelefon ist montags und mittwochs von 9 bis 11 Uhr und dienstags und donnerstags von 17 bis 19 Uhr unter

Tel. 0800 111 0 550

zu erreichen.

Rund um die Uhr erreichbar sind die evangelische und katholische Telefonseelsorge unter

Tel. 0800 111 0 111 bzw. 0800 111 0 222.

An diese Beratungsstellen können sich auch Mitbürger wenden, die vernachlässigte Kinder beobachten. Besonders Säuglinge und Kleinkinder sind auf das Wahrnehmen und auf die Mithilfe ihrer Umwelt angewiesen. Schutz und Hilfe für diese Kinder hat auch das örtliche Kreis- oder Stadtjugendamt zu gewähren.

Die verbreitete Sorge, dass das Jugendamt den Eltern ihre Kinder "wegnimmt", ist unberechtigt. Eine Inobhutnahme des Kindes durch das Jugendamt ist nur in akuten Notsituationen zum Schutze des Minderjährigen möglich. Ist ein Schutz des Kindes gewährleistet, stellt sich vorrangig die Aufgabe, die Eltern in ihrer Erziehungsfähigkeit zu stärken und ihnen Hilfen zur Erziehung anzubieten.

Eine Inobhutnahme des Kindes sowie eine Entscheidung gegen den Willen der Eltern kann letztendlich nur durch das Familiengericht erfolgen. Auch das Gericht kann Maßnahmen, mit denen eine Trennung des Kindes von der Familie verbunden sind, nur anordnen, wenn die Gefährdung nicht auf andere Weise, insbesondere durch öffentliche Hilfen, durch gerichtlich angeordnete Ge- oder Verbote beseitigt werden kann.

Können sich Kinder und Jugendliche selbst Hilfe holen?

Hilfe suchende ältere Kinder und Jugendliche, die sich keiner vertrauten Person öffnen können oder wollen, finden Information und Beratung unter der gebührenfreien "Nummer gegen Kummer" des Kinderschutzbunds, von Montag bis Samstag von 14 bis 20 Uhr:

Tel. 0800 111 0 333.

Die Bundeskonferenz für Erziehungsberatung bietet Jugendlichen eine kostenlose Online Beratung an unter www.bke-jugendberatung.de. Für Jugendliche und Heranwachsende besteht zudem eine kostenlose Online Beratung unter www.kids-hotline.de.

Jedes Kind und jeder Jugendliche hat das Recht, sich in allen Angelegenheiten der Erziehung und Entwicklung an das Jugendamt zu wenden. Sie können dort auch ohne Kenntnis der Personensorgeberechtigten beraten werden, wenn die Beratung aufgrund einer Not- und Konfliktlage erforderlich ist und solange durch die Mitteilung an die Personensorgeberechtigten der Beratungszweck vereitelt oder gefährdet würde.