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Sprachentwicklung

Endlich kann mein Kind sprechen! Die ersten Worte begeistern die meisten Eltern. Kein Wunder - das Kind beginnt nun auch mit Worten, Kontakt zur Umwelt aufzunehmen. Mama, Papa, Oma: Zunächst werden geliebte Personen beschrieben. Bisher hat das Kind seine Befindlichkeiten durch Schreien, Mimik oder Körpersprache ausgedrückt. Und es hat viel verstanden. Denn noch bevor das erste Wort gesprochen wird, ist die Sprachentwicklung in vollem Gange.

Zunächst spricht das Kind in einzelnen Wörtern. Diese haben oft die Bedeutung eines Satzes. Sie bestimmen nicht nur eindeutig einen Gegenstand, sondern beinhalten Eigenschaften, die dem Kind besonders auffallen. So wird das Wort "Hund" für alle größeren, sich bewegenden Tiere verwendet. Später werden Zweiwortsätze gebildet. Das erste Fragealter steht vor der Tür. Das Kind interessiert sich außerordentlich für seine Umwelt und möchte alles benennen. Die Wörter bekommen eine allgemeinere Bedeutung. Zunehmend können längere Sätze gebildet werden.

Das Kind entdeckt, dass der Gebrauch der Sprache vieles einfacher macht. Ob zu Hause oder im Kindergarten, die meisten Kinder sprechen sehr gerne und viel. Durch den regen Austausch mit anderen bekommt das Sozialverhalten einen wichtigen Impuls. Nun kann es selbst sagen, was es möchte, und besser auf andere reagieren.

Wann lernt ein Kind sprechen?
Wie kann ich dem Kind beim Sprechenlernen helfen?
Warum möchte mein Kind nicht sprechen?
Warum macht mein Kind so viele Fehler beim Sprechen?
Mein Kind spricht mit sich selbst
Was kann ich tun, wenn mein Kind stottert?
Was ist "Poltern"?
Hochdeutsch oder Dialekt?

Wann lernt ein Kind sprechen?

Wie bei allen anderen Reifungsprozessen (Sitzen, Laufen lernen ...) hat jedes Kind sein eigenes Entwicklungstempo. Reife braucht Zeit.

Wann ein Kind zu sprechen anfängt und wie viel es spricht, hängt von der Förderung durch die Umwelt ab. Damit ist nicht reines Vorsprechen gemeint, sondern gemeinsames Tun. Das Kind zu hetzen, mit ihm zu "pauken", macht wenig Sinn.

Noch bevor die ersten Worte gesprochen werden, ist die Sprachentwicklung bereits in vollem Gange. Die Kinder verstehen deutlich mehr, als sie sprechen können.

Mit dem ersten Geburtstag werden oft die ersten Wörter gebildet. Das Kind spricht in Einwortsätzen, wobei ein Wort oft für eine gesamte Situation steht. "Auto" bezeichnet nicht nur ein bestimmtes Auto, sondern rote, grüne, gelbe Autos. Auch die Fahrt mit dem Auto wird so bezeichnet.

Im Laufe des zweiten Lebensjahrs steigt der Wortschatz deutlich an. Es können nun Mehrwortsätze gebildet werden. Das Kind benutzt Bezeichnungen, die es kennt und erfragt neue. "Is das?" Das erste Fragealter zeigt das rege Interesse des Kindes an seiner Umwelt.

Im dritten Lebensjahr werden Wörter nicht mehr nur situationsgebunden verwendet, sondern mit der Bedeutung, in der sie Erwachsene gebrauchen.

Mit vier Jahren wird der Wortschatz verfeinert, es können grammatikalische Formen verwendet werden. Das Kind möchte alles wissen, alles verstehen.

Wie kann ich dem Kind beim Sprechenlernen helfen?

Sprechen macht den meisten Kindern Spaß. Wie bei allen anderen Erfolgen, die das Kind hat (Laufen lernen usw.), freut es sich über Fortschritte.

Sinnvoller als das bloße Vorsagen von Wörtern ist das gemeinsame Tun. Ein Kind, das beim Spaziergang den Wind auf den Wangen spürt, kann sich dieses Wort gut merken, da mit ihm eine sinnliche Erfahrung verbunden ist. Es weiß, wie sich Wind anfühlt. Es kann das Wort hinzufügen.

Sprechen Sie deutlich und langsam mit Ihrem Kind. Sehen Sie das Kind an, während Sie mit ihm sprechen. Spricht es etwas falsch aus, korrigieren Sie es nicht. Wiederholen Sie das Wort nochmals richtig. Es genügt, wenn es bei Erwachsenen die richtige Aussprache hört. Schimpft man das Kind, weil es ein Wort falsch ausgesprochen hat, verliert es die Lust am Sprechen. Natürlich sind Lob und Freude für gelungene Worte oder Sätze ein großer Anreiz, weiter zu lernen. Benennen Sie die Dinge, erklären Sie mit möglichst kindgerechtem Wortschatz.

Das Kind handelt in diesem Alter hauptsächlich mit Hilfe der Erwachsenen. Kann es sich nicht Hilfe suchend an jemanden wenden, verkümmert auch sprachlich das Bedürfnis, dies zu tun. Finden Äußerungen und Bitten kein Gehör, wird das Kind verstummen.

Warum möchte mein Kind nicht sprechen?

Zum miteinander Sprechen gehört Zugewandtheit. Wird mit dem Kind nicht gesprochen, wird es nicht in die kleinen Dinge des Alltags miteinbezogen, hat es Schwierigkeiten, den einzelnen Worten eine Bedeutung zuzumessen. Sprechen Erwachsene zu kompliziert mit dem Kind, kann es sie nicht verstehen und die Wörter nicht zu seinem Wortschatz hinzufügen.

Aus Fehlern lernt Ihr Kind. Wird es kritisiert oder beschimpft, weil es Worte falsch ausspricht, wird es sich dem entziehen. Es hat keine Lust mehr zum Sprechen.

Spricht Ihr Kind im Alter von 20 Monaten kein einziges Wort, versteht im Alter von zwei Jahren auch kurze Sätze nicht, ist eine Abklärung der Ursachen erforderlich. Wird beispielsweise ein Hörschaden nicht erkannt, vergeht wertvolle Zeit, bis ein eventuell notwendiges Hörgerät angepasst wird.

Warum macht mein Kind so viele Fehler beim Sprechen?

Entscheidend ist, was das Kind sagt, nicht wie es etwas sagt. Die Freude am Sprechen ist wichtiger als Sprachfertigkeit.

Bis zum Alter von vier Jahren ist die Koordination von Lippen, Zunge, Kehlkopf noch nicht ausgereift. Oft haben die Kinder auch noch kein Gedächtnis für längere Wörter. Sie vereinfachen, wissen aber genau, worum es sich handelt. So kann aus "Marmelade" "Lade" werden. Oder sie verwechseln Laute. Aus "g" wird "k" und so weiter. Die drolligsten Bemerkungen bekommen Eltern in diesem Alter zu hören.

Bei manchen Kindern sind die Gedanken schneller als die Sprache. Sie erzählen alles durcheinander oder wissen nicht mehr, was sie bereits erzählt haben. Diese Kinder tun sich schwer, ihre Gedanken zu sortieren. Sie können Ihrem Kind helfen, indem Sie sich - zurückhaltend - in die Erzählung einschalten und helfen, die Gedanken zu ordnen. Haben Sie einen Abschnitt verstanden, wiederholen Sie ihn kurz. Unklare Äußerungen kann man durch Nachfragen deutlicher machen. Das Kind spürt das Interesse an seiner Erzählung, es fühlt sich anerkannt.

Gehen Aussprachefehler über das vierte Lebensjahr hinaus und zeigen bestimmte Eigenheiten, liegt eventuell eine Sprechstörung vor.

Mein Kind spricht mit sich selbst

Die Mutter wundert sich: Obwohl Julian allein im Kinderzimmer ist, hört sie ihn laut sprechen.

Kleinere Kinder begleiten oft Tätigkeiten mit eigenen Worten. So ist die Puppe oder der Teddy ein beliebter Gesprächspartner. Das Kind übt Sprechen. Es ergänzt sein Tun mit der Sprache. Damit ordnet es sein Denken.

Was kann ich tun, wenn mein Kind stottert?

Bei bis zu fünfjährigen Kindern kommt Stottern häufig vor. Sie möchten schneller sprechen als sie können.

Wichtig ist, dem Kind Zeit zum Sprechen zu lassen und aufmerksam zuzuhören. Druck wirkt sich sehr ungünstig aus: Bei Ermahnungen verkrampft es nur zusätzlich.

Gemeinsames Singen und rhythmisches Sprechen hilft dem Kind, das Stottern zu überwinden.

Hält das Stottern nachhaltig an, ist zur Klärung der Ursachen ein Arztbesuch anzuraten.

Was ist "Poltern"?

"Ich-ich-ich möchte ..." Unter Poltern versteht man krampfartige Wortwiederholungen. Poltern ist eine harmlose Sprachstörung.

Die Denkgeschwindigkeit und der Mitteilungsdrang sind so groß, dass sich das Kind nicht so rasch ausdrücken kann wie es möchte. Das Kind braucht Zeit zum Reden und geduldiges Zuhören. Schimpfen oder Strafe führen zu einem zusätzlichen Verkrampfen.

Hochdeutsch oder Dialekt?

Auch beim Sprechenlernen dient die nächste Umgebung als Vorbild. Das Kind lernt die Sprache, die in seiner Umgebung gesprochen wird.

Zunächst wird dies die Sprache des Elternhauses sein. Kommt es in den Kindergarten, passt es sich sprachlich an. Wird beispielsweise zu Hause Hochdeutsch gesprochen, im Kindergarten aber bayerisch, übernimmt es schnell den Dialekt. Denn es möchte mitreden und akzeptiert werden.

Ermahnungen, die zu Hause gesprochene Sprache zu verwenden, wird es nicht verstehen. Auch, wenn Sie einen anderen Sprachstil gewohnt sind, lassen Sie das Kind Dialekt sprechen. Bleiben Sie selbst bei Ihrem Sprachstil. Das Kind wird sich umstellen, je nachdem, mit wem es gerade spricht.