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Freunde, Clique, Peergroup

Gleichzeitig mit der Loslösung von der Familie werden im Rahmen der Identitätsfindung die gleichaltrigen Freunde und die Zugehörigkeit zu einer Clique immer wichtiger für die Jugendlichen. Dieser Prozess läuft parallel und ist für die Entwicklung zum Erwachsenen notwendig.

Warum ist die Gruppe der Gleichaltrigen so wichtig?
Warum hat mein Kind keine Clique?
Warum werden Freundschaften mit zunehmendem Alter immer wichtiger?
Die Freunde meines Kindes gefallen mir nicht - wie soll ich mich verhalten?

Warum ist die Gruppe der Gleichaltrigen so wichtig?

Die Gruppe der Gleichaltrigen begleitet den Übergang von der Familie zu einer eigenen reifen Partnerschaft. Die notwendige Loslösung von der Familie wird durch die Clique abgefedert. In der Gruppe finden die Jugendlichen in der unsicheren Zeit der Identitätsfindung Sicherheit, Geborgenheit und Verständnis. Ängste und Unsicherheiten ähneln sich.

Gleiche oder ähnliche Interessen werden geteilt. In den meisten Peergroups herrschen daher bestimmte Regeln, die sich oft über die Kleidung, Musikvorlieben oder die gleiche Sprache zeigen. Da die Meinung der Gleichaltrigen für die meisten Jugendlichen von enormer Bedeutung ist, gleichen sich die Mitglieder einer Peergroup häufig auch in ihrem äußeren Erscheinungsbild.

Die Gruppe der Gleichaltrigen ist auch das ideale Trainingsgelände für soziales Verhalten. Hier kann man lernen, Unabhängigkeit und wechselseitige Abhängigkeit zu vereinbaren. Gemeinsam mit den Mitgliedern der Gruppe können Unternehmungen gewagt werden, die alleine zu riskant wären. Hier wird der Ablösungsprozess gestützt und neue Formen der Beziehung werden vermittelt.

Die Gruppe dient auch dem Zweck, das andere Geschlecht kennen zu lernen. Das Interesse am anderen Geschlecht ist frühzeitig vorhanden. Die Aktivitäten der Gruppe dienen offen oder latent dem Zweck, Kontakt mit dem anderen Geschlecht aufzunehmen.
Für die Eltern ist dies häufig ein sehr schmerzhafter Prozess, sie fühlen sich zurückgesetzt, da die Jugendlichen ihre Zeit lieber mit Gleichaltrigen verbringen. Auch fürchten sie, dass sie jetzt gar keinen Einfluss mehr auf ihr Kind haben. Dies entspricht aber nicht den Tatsachen, der Einfluss der Eltern wird in dieser Zeit nur nicht mehr so deutlich.

Alles, was Sie in den vorherigen Lebensjahren durch Ihre Erziehung an Werten, Vertrauen und Verständnis vermittelt haben, ist gerade in dieser unsicheren Zeit von unschätzbarem Wert. Denn nun wird von den Jugendlichen vieles in Frage gestellt. Werte und Vorstellungen werden überprüft und solche, die sie für sich als richtig und sinnvoll erachten, übernommen.

Warum hat mein Kind keine Clique?

Eine Gruppe von Jugendlichen ist ein sehr sensibles Gebilde, das im Prinzip zunächst relativ fair mit anderen umgeht. Die Jugendlichen beobachten und bewerten das Verhalten anderer.
Abgelehnt werden beispielsweise Kinder oder Jugendliche, die sich unsozial, feindselig oder abweichend von den Regeln der Gruppe verhalten. Selbst wenn diese Jugendlichen ihr Verhalten mit der Zeit ändern, wird es schwierig sein, in die Gruppe aufgenommen zu werden. Denn das Bild, das sich die Clique von dem Jugendlichen gebildet hat, bleibt in der Regel relativ fest bestehen.

Andere Kinder werden nicht beachtet. Sie sind häufig zurückgezogen und unauffällig und damit für die Gruppe einfach uninteressant.

Manche Jugendliche gehören einer Clique eher lose an. Oft bewegen sie sich auch in mehreren Gruppen.

Hat Ihr Kind überhaupt keinen Kontakt zu anderen und leidet spürbar darunter, suchen Sie das Gespräch mit ihm. Woran kann es liegen, dass es keinen Kontakt zu Gleichaltrigen bekommt? Hat es Fähigkeiten oder Fertigkeiten, die in einer Gruppe besonders gefragt sind? Oft ist der Besuch eines Sportvereins oder ähnlichem hilfreich, um neue Kontakte zu finden.

Der Versuch, Gleichaltrige dazu zu bewegen, sich mit dem eigenen Kind anzufreunden, ist dagegen zumeist sinnlos. Damit erweisen Sie Ihrem Kind häufig einen Bärendienst. Denn Jugendliche reagieren auf Einmischung äußerst sensibel. Sie spüren sehr genau, wenn etwas von Erwachsenen gesteuert wird und werden mit noch größerer Ablehnung gegenüber Ihrem Kind reagieren. Freundschaft kann man eben nicht erzwingen.

Warum werden Freundschaften mit zunehmendem Alter immer wichtiger?

Je älter das Kind wird, desto wählerischer wird es mit seinen Freundschaften. Der beste Freund oder die beste Freundin wurde bisher oft schnell wieder durch andere Freundschaften ausgetauscht. Nun aber haben die meisten Jugendlichen den Wunsch nach länger anhaltenden Beziehungen.

Die Clique, die Gruppe der Gleichaltrigen sind wichtige Begleiter auf dem Weg zum Erwachsen-Werden. Natürlich stehen sich die Jugendlichen innerhalb der Gruppe unterschiedlich nahe. So hat Ihr Kind vermutlich viele Bekannte, aber nur wenige richtige Freunde.

Manchmal täuschen sich Jugendliche noch in der Art der Beziehung. Oft genug gibt es darum Kummer mit dem Freund oder der Freundin. Jugendliche müssen erst lernen, was eine wirkliche Freundschaft ist.

Jugendliche suchen starke, intensive Beziehungen außerhalb der Familie. Die Loslösung von der Familie ist notwendig und ein Freund oder eine Freundin gibt die nötige Nähe und Vertrautheit. Die Familie ist noch wichtig. Freunde aber können sich besser in die aktuelle besondere Lage des Jugendlichen versetzen und haben dadurch mehr Verständnis.

Vertrauen gibt Sicherheit. Das Vertrauen in andere Menschen stärkt das Selbstvertrauen und die Selbstsicherheit. Anderen Menschen, die einem selbst vertrauen und schätzen, kann man alles sagen und so sein wie man ist. Gerade in der unsicheren Zeit der Pubertät ist dies ausgesprochen wichtig. Freundschaften geben Jugendlichen Kraft, sich selbst etwas zuzutrauen.

Die Freunde meines Kindes gefallen mir nicht – wie soll ich mich verhalten?

Die passende Clique zu finden, ist ein schwieriges und nicht zu unterschätzendes Unternehmen. Da können schon mal Bekannte dabei sein, die scheinbar überhaupt nicht passen. Eltern haben oft die Befürchtung, dass ihr Kind in „falsche Kreise“ gerät. Manchmal nicht zu unrecht.
Jugendliche suchen sich Freunde oder Bekannte nach Kriterien aus, die für Erwachsene oft völlig im Dunklen liegen. Doch dies dient eben dazu, den eigenen Weg zu finden, die eigenen richtigen Freunde zu finden. Bleibt der Jugendliche sich selbst und seinem Wertesystem treu, wird er nach und nach die Freunde finden, die ihm gut tun.
Freundschaften zu verbieten, löst die Probleme meist nicht. Jugendliche in diesem Alter benötigen viel Freiraum und nehmen sich diesen auch. Sie treffen sich, mit wem sie möchten.
Schön wäre es, wenn die Möglichkeit besteht, die Freunde der Kinder selbst kennen zu lernen. Ermöglichen Sie, dass sich die Jugendlichen zu Hause treffen können.
Viele Teenager möchten dies aber nicht. Sie treffen sich lieber ohne Erwachsene. Vertrauen Sie Ihrem Kind. Selbst wenn es über die Stränge schlägt oder sich mit Menschen umgibt, die Sie nicht mögen – es wird seinen Weg finden.
Sind Sie der Ansicht, eine Freundschaft ist für Ihr Kind riskant (beispielsweise wegen des Gebrauchs von Drogen o. ä.), sprechen Sie mit Ihrem Kind. Fragen Sie nach, was es an diesen Freunden so faszinierend findet. Erklären Sie ihm, was Ihnen daran nicht gefällt.
Der Einfluss der Eltern ist auch in diesem Alter nicht so gering, wie es den Anschein hat. Wichtig ist, die Jugendlichen ihren Weg alleine gehen zu lassen – soweit sie dies möchten. Aber auch da zu sein, wenn Unterstützung oder Hilfestellung gefragt ist.