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Piercing / Tattoo

Ringe oder Knöpfe in der Nase, den Augenbrauen oder am Nabel: Piercing ist zu einem Massentrend geworden. Insbesondere unter Jugendlichen ist Piercing hochaktuell. Weit verbreitet sind mittlerweile auch Tattoos (Tätowierungen).

Das Risiko ist meist Nebensache. In der Regel geht es auch ohne Komplikationen ab. Trotzdem: Piercing und Tattoos sind keine Lappalien. Es handelt sich um Eingriffe, die nicht vergleichbar sind mit Schminken oder Haare färben.

Die Entfernung von Tattoos ist schwierig und immer mit hohen Kosten verbunden. Piercings hinterlassen nach Entfernen der Ringe oder Knöpfe sichtbare Narben. Darum sollte gut überlegt werden, ob man wirklich solch weit reichende Eingriffe vornehmen lassen will.
Zuständig dafür sind selbstverständlich nur Experten.

Warum wollen sich Jugendliche piercen oder tätowieren lassen?
Welche Komplikationen kann Piercen oder Tätowieren nach sich ziehen?
Welche Alternativen gibt es zu Piercing und Tattoo?
Kann sich ein Jugendlicher einfach piercen oder tätowieren lassen?
Soll ich meinem Kind erlauben, sich piercen oder tätowieren zu lassen?
Ich habe meinem Kind erlaubt, sich piercen oder tätowieren zu lassen. Was soll ich nun tun?
Ich habe meinem Kind verboten, sich piercen oder tätowieren zu lassen. Was soll ich nun tun?
Was sollte mein Kind keinesfalls tun?

Warum wollen sich Jugendliche piercen oder tätowieren lassen?

In der Pubertät werden Gleichaltrige für Jugendliche deutlich wichtiger, der Einfluss des Elternhauses verliert enorm an Gewicht. Auf der Suche nach sich selbst setzen sich Jugendliche vermehrt mit den bisher unwidersprochenen Werten der Eltern auseinander. Die Clique ist jetzt ausschlaggebend für das äußere Erscheinungsbild Ihres Kindes. Wer einer bestimmten Peergroup angehören will, muss sich auch äußerlich daran anpassen.
Gerade in der frühen Pubertät ist das Selbstwertgefühl noch sehr labil und hängt in hohem Maße vom Urteil der Freunde ab. Oft sind Jugendliche noch nicht selbstsicher genug, um zu glauben, dass sie um ihrer selbst willen geliebt werden.

Der äußere Schein spielt bei der Beurteilung der Altersgenossen eine große Rolle. Attraktive Teenager sind nach Ansicht vieler Jugendlicher beliebter als unattraktive Gleichaltrige.

Durch Charme oder Selbstbewusstsein bei Gleichaltrigen Punkte zu machen, gelingt oft erst älteren Jugendlichen. Und so versucht man, Aufmerksamkeit und Anerkennung durch spektakuläre Veränderungen des Äußeren zu gewinnen. Kleidung, Sprache, Frisuren oder Manieren sind die wenigen Felder, in denen Jugendliche experimentieren können.
Bunt gefärbte Haare, Piercings oder Tattoos sind Versuche, anders als die Erwachsenen, aber gleich oder besser als die Gleichaltrigen zu sein.

Welche Komplikationen kann Piercen oder Tätowieren nach sich ziehen?

Manche Menschen sind generell anfällig für Infektionen. Sie sollten sich deshalb sehr gut überlegen, ob sie sich piercen oder tätowieren lassen.
Unerfahrenheit des Piercers oder Tätowierers kann ebenso wie mangelnde Hygiene zu Komplikationen führen. Über das Blutserum besteht die Gefahr der Übertragung von AIDS oder Hepatitis.
Ebenso sind bei Piercings weitere Komplikationen denkbar; sie sind zwar selten, sollten aber dennoch bedacht werden:

  • allergische Reaktionen, wenn der Schmuck Nickel oder Kobalt enthält; Silber oxidiert im frischen Wundkanal;
  • Schwellungen, Ekzeme, Blutergüsse;
  • Wasseransammlungen;
  • wuchernde Narben, Verwachsungen;
  • Teillähmungen im Gesicht (wenn ein Nerv an Nase oder Augenbraue verletzt wird);
  • Augenentzündungen durch Entzündung des Einstichs oder Metallausschwemmungen von minderwertigem Schmuck (bei Augenbrauen- Piercing);
  • Beeinträchtigung der Atmung durch Schwellungen (bei Zungen-Piercing);
  • Teillähmungen der Zunge (bei Zungen- Piercing, wenn der Muskel ungünstig durchstochen ist);
  • Reizung des Zahnfleisches;
  • Beschädigung des Zahnschmelzes.

Auch bei Tätowierungen sind nachfolgende Komplikationen nicht ausgeschlossen:

  • örtliche Infektionen (auch wenn steril gearbeitet wird):
  • knallige Rot- und Gelbtöne enthalten Teerfarbstoffe, die Krebs erregend sein können;
  • auch Farben mit natürlichen Mineralpigmenten können Allergien auslösen; Schwermetalle wie Nickel, Kadmium und Chrom wirken im Körper giftig.

Welche Alternativen gibt es zu Piercing und Tattoo?

In jedem Schmuckgeschäft gibt es Schmuck zum Anklammern oder Ankleben zu kaufen. So kann man das Äußere ohne großen Eingriff nach Lust und Laune verändern.
Ohne die Zähne zu beschädigen, können Schmucksteine oder Motive aus hauchdünner Goldfolie vom Zahnarzt auf die Zähne geklebt werden. Die Entfernung ist ohne Rückstände problemlos möglich.

Henna-Tätowierungen werden auf den Körper gemalt und verblassen in der Regel nach zwei Wochen. Hier kann es allerdings auch zu allergischen Reaktionen kommen.

Kann sich ein Jugendlicher einfach piercen oder tätowieren lassen?

Bei Jugendlichen unter 18 Jahren ist die Einwilligung eines Erziehungsberechtigten nötig. Denn rechtlich gesehen sind Piercings und Tätowierungen als Körperverletzung anzusehen. Eine Körperverletzung ist jedoch dann nicht strafbar, wenn eine Einwilligung des Verletzten vorliegt (im Falle eines Minderjährigen die Einwilligung des Erziehungsberechtigten).

Soll ich meinem Kind erlauben, sich piercen oder tätowieren zu lassen?

Den Wunsch des Jugendlichen nach einem Tattoo oder Piercing sollte man unbedingt ernst nehmen. Das eigene Aussehen ist schließlich Sache des Teenagers.

Dem Jugendlichen muss aber verdeutlicht werden, welche nachhaltigen Veränderungen durch Piercing oder Tattoos vorgenommen werden. Ist die Sturm-und-Drang-Phase einmal abgeebbt, bereut er oder sie vielleicht den Eingriff: Piercing hinterlässt sichtbare Narben, Tattoos sind nur schwer rückgängig zu machen. Hat der Teenager bedacht, dass beispielsweise bei einem Vorstellungsgespräch eine gepiercte Augenbraue unvorteilhaft wäre? Möchte er in späteren Jahren tatsächlich noch mit einem Totenkopf am Oberarm herumlaufen?

Wichtig ist, dass sich der Jugendliche in dem Wunsch, sein Äußeres zu verändern, anerkannt und respektiert fühlt. Überlegen Sie darum gemeinsam Vor- und Nachteile. Haben Sie beispielsweise zu große Bedenken wegen Komplikationen oder auch, weil Sie befürchten, dass Ihr Kind diesen Schritt einmal bereut, sagen Sie dies offen und deutlich.

Vielleicht ist es möglich, Kompromisse auszuhandeln. Eine Alternative wäre Schmuck zum Anklammern. Denn innerhalb bestimmter Grenzen (zum Beispiel finanzielle Möglichkeiten, Regeln in der Schule) sollte es dem Teenager möglich sein, Modeerscheinungen mitzumachen. Auch, wenn diese den Eltern nicht gefallen.

Nehmen Sie sich Zeit zum Überlegen. So wird auch Ihrem Kind deutlich, dass es sich nicht einfach aus einer Laune heraus piercen oder tätowieren lassen sollte. Schieben Sie aber die Entscheidung nicht hinaus, sonst wird die Auseinandersetzung zum „Dauerbrenner“ und Ihr Kind fühlt sich nicht ernst genommen.

Wird die Auseinandersetzung um Piercing oder Tattoo zum Machtkampf, können sich Eltern ruhig einmal überlegen, ob die eigentlichen Gründe für ein Verbot anders gelagert sind. Es ist für Eltern nicht so einfach zu verstehen, dass das Kind andere Vorstellungen entwickelt als sie selbst und zunehmend eigene Entscheidungen treffen möchte. Beachten Sie nur, dass Ihr Kind sich längst auf seinen Weg in die Selbstständigkeit begeben hat (Loslösung von der Familie). Sie als Eltern sind seine Begleiter. Sie geben Grenzen vor, die dem Kind diesen Weg erleichtern, nicht erschweren sollen.

Ich habe meinem Kind erlaubt, sich piercen oder tätowieren zu lassen. Was soll ich nun tun?

Sie haben sich gemeinsam mit Ihrem Kind entschieden, dass es beispielsweise ein Piercing machen lässt. Jetzt geht es darum, dass dies auf sicherem Wege geschieht. Fragen Sie Freunde und Bekannte nach deren Erfahrungen. Nehmen Sie sich Zeit, bis Sie ein Studio gefunden haben, das Ihren Vorstellungen entspricht. Sprechen Sie mit dem Piercer oder Tätowierer.

Wenn Ihr Kind es möchte, begleiten Sie es. Viele Jugendliche bekommen auf dem Weg mulmige Gefühle. So können Sie sich auch besser ein Bild machen: Wird in dem Studio sauber und steril gearbeitet? Wird über Nachsorge und Komplikationen informiert?
Die Räumlichkeiten sollten sauber, hell und von anderen Arbeitsbereichen getrennt sein. Werden im gleichen Raum Haare geschnitten, ist Ihr Kind in einem anderen Studio besser aufgehoben.

Folgende Punkte sollten Sie außerdem beachten:

  • In einem guten Studio erkundigt man sich nach dem allgemeinen Gesundheitszustand.
  • Jeder Piercer hat seine eigene Technik. Informieren Sie sich deshalb vorher umfassend und überlegen Sie genau, bei wem Ihr Kind das Piercing vornehmen lässt.
  • Der Piercer oder Tätowierer muss in jedem Fall Handschuhe tragen.
  • Achten Sie auf steril verpackte Einmalmaterialien (Spritze, Schmuck).
  • Der Piercing-Schmuck sollte aus Gold, Titan oder Platin sein. Billige Stücke enthalten oft Nickel oder Kobalt, die Allergien auslösen können.
  • Der Piecer muss über mögliche Risiken und Spätfolgen aufklären.
  • Ihr Kind benötigt eine genaue Pflegeanleitung und Verhaltensmaßnahmen für mögliche Komplikationen.
  • Es sollten Nachsorge-Termine angeboten werden.
  • Bedenken Sie außerdem den Zeitpunkt. Mit einem frischen Piercing oder einer Tätowierung darf Ihr Kind längere Zeit nicht zu ausgiebig mit Wasser in Berührung kommen. Schwimmen in Hallen- oder Freibädern oder im Badesee ist zunächst tabu.

Erinnern Sie Ihr Kind auch an Nachsorge und Pflege.

Ich habe meinem Kind verboten, sich piercen oder tätowieren zu lassen. Was soll ich nun tun?

Verweigern Sie Ihre Zustimmung, werden Sie gute Gründe haben. Das Argument „Weil ich es nicht schön finde“ wird von einem Teenager wohl kaum akzeptiert werden. Denn es geht für das Kind nicht darum, was Eltern schön finden. Die Gleichaltrigen finden es schön und damit auch Ihr Kind. In diesem Altersabschnitt wiegt die Meinung der Freunde wesentlich mehr als die der Eltern.

Bleibt es bei dem „Nein“, erklären Sie Ihrem Kind die Gründe. Vermutlich wird es diese nur ungern akzeptieren. Darum: Sprechen Sie mit Ihrem Kind, hören Sie seine Meinung an und setzen Sie sich mit Ihrem Kind auseinander.

Ist Ihr Kind im Moment allen vorgebrachten Argumenten völlig unzugänglich – vielleicht wird es später einmal verstehen, warum Sie so entschieden haben.

Was sollte mein Kind keinesfalls tun?

Keinesfalls sollte sich Ihr Kind auf Festivals unter unhygienischen Bedingungen oder auf Partys von Freunden piercen lassen. Hier besteht nicht nur erhöhte Infektionsgefahr, sondern auch das Risiko einer Übertragung von Hepatitis oder AIDS durch verunreinigte Nadeln.

Warnen Sie Ihr Kind eindringlich davor, sich selbst zu piercen. Dabei geht es nicht nur um die wesentlich erhöhte Infektionsgefahr. Es besteht ein hohes Risiko, beispielsweise einen wichtigen Nerv zu durchstechen.