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ELTERNTALK bringt Eltern miteinander ins Gespräch

Elterntalk

 

 

 

 

 

 

 

 

ELTERNTALK bietet moderierte Gesprächsrunden für Eltern zu den Themen Medien, Konsum, Suchtvorbeugung und gesundes Aufwachsen in der Familie.
Im Gespräch mit "Eltern im Netz" spricht Eva Schröder, die Regionalbeauftragte aus Pfaffenhofen, über das Projekt der Aktion Jugendschutz.

Eltern im Netz: Frau Schröder, was genau ist ELTERNTALK?

Eva Schröder: ELTERNTALK sind Gesprächsrunden für Eltern von Kindern bis 14 Jahren, die in der Regel in einem privaten Rahmen stattfinden und vom Erfahrungsaustausch der Eltern leben. Die Eltern werden als Experten ihres Erziehungsalltags betrachtet. Eine geschulte, ehrenamtliche Moderatorin führt diesen Erfahrungsaustausch. ELTERNTALK ist ein Fachgespräch unter Eltern, das ihnen die Möglichkeit gibt, ihr tägliches erzieherisches Handeln zu reflektieren.
Zielgruppe sind natürlich Familien, aber vor allem auch Eltern mit Migrationshintergrund oder Eltern in besonderen oder belasteten Lebenslagen. Es ist ein niederschwelliges Angebot für Eltern, die nicht unbedingt zu einem Vortrag gehen oder an eine Institution angebunden sind.
ELTERNTALK bietet die Möglichkeit, verschiedene Lösungswege oder unterschiedliche Einstellungen kennenzulernen, ohne eine Belehrung von außen wie bei einem Vortrag. Dadurch, dass die Eltern sich untereinander unterhalten, kommen sie selbst auch auf neue Ideen. Das Projekt stärkt, in dem die Eltern sich treffen. Das soziale Leben der Eltern wird gefördert.
Für die Eltern ist die Teilnahme an einer Gesprächsrunde kostenlos. Die Gastgeberin, die die anderen Eltern zu sich nach Hause einlädt, bekommt ein kleines Geschenk als Dankeschön für die Gastfreundschaft.

Mehr Infos dazu: http://www.elterntalk.net/

Seit wann gibt es ELTERNTALK und wer hat das Projekt ins Leben gerufen?

Eva Schröder: Die Initiative gibt es seit 2001 und wurde von der Aktion Jugendschutz ins Leben gerufen, die das Projekt federführend betreut. Es ist ein Präventionsprojekt, bei dem es darum geht, dass Eltern sich mit verschiedenen Themen, z.B. Medien, Konsum, Konflikt und Alltagsbewältigung und eben auch Suchtvorbeugung, auseinandersetzen. Das Projekt wird von der bayerischen Staatsregierung gefördert.

Ist es ein bayerisches Projekt oder gibt es das deutschlandweit?

Eva Schröder: ELTERNTALK ist ein bayerisches Projekt, allerdings wurde es mittlerweile in zwei weiteren Bundesländern implementiert. Die Aktion Jugendschutz, Landesarbeitsstelle Bayern e.V. ist für das bayernweite Management verantwortlich. Sie hat die Konzeption, Entwicklung, Steuerung, Koordination, Coaching und Öffentlichkeitsarbeit in ihren Händen.

Wie wird das Projekt ELTERNTALK angenommen?

Eva Schröder: 2017 hat ELTERNTALK in über 40 Standorten (in 44 Landkreisen und kreisfreien Städten) Bayerns stattgefunden. Diese Gesprächsrunden wurden von 250 Moderatorinnen und Moderatoren betreut.
Seit Beginn im Jahr 2001 beteiligten sich ca. 87.000 Eltern an den Gesprächsrunden. Diese kamen aus 89 verschiedenen Ländern. 2/3 der Gäste gaben einen nichtdeutschen Kulturkreis an. Die meisten von ihnen kamen aus der Türkei oder Russland.

Wie können Eltern am ELTERNTALK teilnehmen?

Eva Schröder: Bei Interesse können sich die Eltern an eine Regionalbeauftrage wenden. Ansprechpartner in der Nähe finden interessierte Eltern auf der Webseite von ELTERNTALK. Diese vermittelt dann an eine Moderatorin weiter. Es gibt aber auch die Möglichkeit, dass ein Träger den Talk z.B. im Mehrgenerationshaus oder in Nachbarschaftstreffs zu festen Terminen anbietet.

Welche Themen werden bei den Talks besprochen?

Eva Schröder: Ein großes Thema sind Smartphone, Internet, Computer- und Konsolenspiele. Es gibt auch einen Talk zu Konsum oder Fernsehen. Ein weiterer Schwerpunkt ist Erziehung, aber auch Suchtvorbeugung und ein Talk zum Thema "wenn das Leben sich ändert".

Kann ich als Elternteil selbst Themenvorschläge für ein Gespräch machen, oder sind es vorgegebene Module, die besprochen werden?

Eva Schröder: In der Regel macht die Gastgeberin einen Vorschlag und bespricht diesen mit der Moderatorin. Es werden allerdings nur Themen aus den ELTERNTALK-Modulen, also Medien, Konsum und Erziehung und Suchtvorbeugung getalkt. Die Gastgeberin lädt dann die anderen Eltern ein und die Moderatorin bereitet das Thema für den Talk vor. Zum Gesprächseinstieg wird entsprechend dem gewählten Modul das passende Kartenset verwendet. Am Ende des Talks fragt die Moderatorin die Eltern, ob sie Interesse an einem weiteren Talk haben und welches von den vorhandenen Themen besprochen werden soll. Die Idee dabei ist, dass genau das besprochen werden kann, was die Eltern gerade beschäftigt.

Wie lange dauern die Gespräche?

Eva Schröder: Zwischen 1,5 und maximal 2 Stunden. Wenn nach einer Stunde klar wird, dass die Eltern sich schon viele Tipps gegeben und sich gut ausgetauscht haben, dann kann man auch nach einer Stunde in einen informellen Teil übergehen.

Bei vielen Veranstaltungen muss man sich anmelden. Wie ist das bei ELTERNTALK?

Eva Schröder: Grundsätzlich kann man bei ELTERNTALK zwei Settings unterscheiden. Zum einen kann ein Talk im privaten Rahmen bei einer Gastgeberin stattfinden, zum anderen im öffentlichen Raum in einer Institution, z. B. in einem Mehrgenerationenhaus. Findet der Talk bei einer Gastgeberin statt, dann sollte man bei einer Einladung verbindlich zu- oder absagen. Wird der ELTERNTALK in einer Institution durchgeführt, ist die Anmeldung wichtig, damit die Veranstalter und die Moderatorinnen wissen, mit wie vielen Eltern sie zu rechnen haben oder ob überhaupt ein Talk zustande kommt.

Sind in den Talks eher Mütter oder auch Väter dabei?

Eva Schröder: Meistens sind es Mütter, aber Väter sind natürlich jederzeit herzlich willkommen.

Finden die Gespräche auf Deutsch statt oder habe ich die Chance, z.B. mit türkischen Eltern zu reden?

Eva Schröder: Es gibt Moderatorinnen, die in ihrer Muttersprache, z. B. auf Türkisch oder Russisch oder in anderen Sprachen talken. Sie lernen die Inhalte allerdings auf Deutsch. Die Moderatorinnen sind selber zweisprachig, aber die Talks können in der jeweiligen Muttersprache stattfinden, es gibt aber auch zwei- und mehrsprachige Talks.
Aktuell läuft in einigen Landkreisen ein Modellprojekt, das sich an geflüchtete Familien richtet. Diese Familien wollen wissen, wie Erziehung hier bei uns in Deutschland stattfindet. Sie berichten, wie Erziehung in ihrem Land abläuft und bringen sich mit ihren Erfahrungen ein. An dieser Stelle leistet ELTERNTALK einen Beitrag zur Völkerverständigung.

Wie wird das angenommen bisher?

Eva Schröder: Ganz gut. Man stößt allerdings immer wieder auf Schwierigkeiten, vor allen Dingen, was sprachliche Barrieren angeht, wenn es noch keine Moderatorin aus dem Kulturkreis gibt, z.B. für Arabisch. Da muss man dann schauen, wie man sich verständigt.

An wen können sich Eltern von Über-14-Jährigen richten?

Eva Schröder: Von der Aktion Jugendschutz gibt es den auf sieben Abende verteilten Kurs "Hilfe, mein Kind pubertiert!". Dabei wird über die eigene Jugend reflektiert, es wird aber auch viel über Drogenkonsum informiert oder auch darüber, wie ich mit meinem pubertierenden Kind im Gespräch bleibe. Auch dieser Kurs lebt vom Erfahrungsaustausch. Durch die sieben Abende entwickelt sich eine Gruppendynamik, es gibt viel Reflexion und es werden verschiedene Kommunikationsmöglichkeiten ausprobiert und geübt. Die Kurse sind sehr praxisorientiert.
Die Kosten hierfür sind von Anbieter zu Anbieter verschieden. Oftmals wird ein kleiner Unkostenbeitrag für das gesamte Kurspaket fällig. Pro Gruppe sind maximal 16 Teilnehmer zugelassen. Der Kurs wird von zwei Fachkräften betreut.

Infos dazu: www.hilfe-mein-kind-pubertiert.de

Nun ein kurzer Perspektivwechsel: Welche Voraussetzungen brauche ich, um selbst als Moderatorin eine Gruppe leiten zu können?

Eva Schröder: Die Grundvoraussetzung ist, dass man selbst ein Kind hat. Zudem sollte man an einem offenen Erfahrungsaustausch interessiert sein. Man muss vorher nicht im sozialen Bereich gearbeitet haben. Wichtig ist, dass man offen und auch bereit ist, gut zuzuhören.
Die Moderatoren werden in den verschiedenen Inhalten von der Regionalbeauftragten geschult. Dort finden dann auch regelmäßige Reflexionstreffen, also Austauschtreffen mit den anderen Moderatorinnen und Moderatoren statt, um zu schauen, was an den Talks gut und was weniger gut lief. Es wird regelmäßig reflektiert, um einen gewissen Qualitätsstandard zu sichern.

Wie lange dauert die Schulung, bis ich selbst eine Gruppe leiten kann und was lerne ich dort?

Eva Schröder: Es gibt zwei Schulungseinheiten à 8 Stunden, bei denen die Inhalte vermittelt werden und eben auch Grundsätzliches: Was ist ELTERNTALK? Wie ist das aufgebaut? Wie sind die Strukturen? Aber auch das Administrative. Das Projekt ELTERNTALK wird engmaschig evaluiert. Nach den Talks können die Gäste einen Bogen ausfüllen. Das ist zwar freiwillig, trotzdem müssen die Moderatorinnen wissen, was in diese Bögen reingehört. Und dann müssen sie selbst nach jedem Talk außerdem einen eigenen Bogen ausfüllen, in welchem sie festhalten, was besprochen wurde.
Zusätzlich lernen sie, wie die Abrechnung funktioniert – die Moderatorin bekommt für jeden Talk eine Aufwandentschädigung im Ehrenamt.
Wenn eine Moderatorin neu anfängt, dann kann sie nicht sofort alle Themensets talken. Man hat ein Einführungsset, das ist in der Regel entweder "Konsum" oder "Fernsehen" und erst, wenn sie das ein paar Mal gemacht hat, kommt ein neues Kartenset dazu. Es ist Bestandteil der Schulung, selbst einen Talk zu moderieren. Es kommt eine erfahrene Moderatorin und leitet das für die neuen an, damit diese ein Gespür dafür bekommen, wie ein Talk funktioniert. ELTERNTALK lebt vom Machen, vom Dabeisein, von der Beteiligung!

Wie lange verpflichte ich mich als Gesprächsleiterin, oder ist das komplett freiwillig?

Eva Schröder: Da es in der Regel freiwillig engagierte Mütter und manchmal Väter sind, verpflichten wir die teilnehmenden Moderatoren nicht auf eine bestimmte Zeit. Es ist natürlich wünschenswert, wenn sie länger dabei sein wollen. Allerdings ist es mit einem zeitlichen Aufwand verbunden, durch die ganzen Schulungen und Treffen, mit den Fahrzeiten und den Abrechnungen, da kann ich nicht erwarten, dass sich jemand langfristig verpflichtet. Es gibt, wenn die Moderatorin ausgebildet wird, einen Vertrag, der für ein Jahr abgeschlossen wird. Hier geht es vor allem darum, dass die Moderatorin sich verpflichtet, sich an die Standards von ELTERNTALK zu halten. Schön wäre ein Talk pro Quartal. Aber es gibt da Luft nach oben. Einige talken mehr. Da die Moderatorinnen allerdings auch selbst Familie haben, kann immer mal wieder was passieren oder dazwischen kommen. Es ist deshalb nicht schlimm, wenn man mal ein halbes Jahr aussetzt und dann wieder einsteigt. Da gibt es keinen Druck von außen.

Läuft ELTERNTALK in festen Gruppen ab?

Eva Schröder: ELTERNTALK findet eigentlich nicht in festen Gruppen statt, sondern ergibt sich aus den interessierten Eltern, die die Gastgeberin eingeladen hat. Klar kann es da vorkommen, dass dann für einige Runden die gleich Eltern aufeinander treffen. Allerdings kann da nicht von einer festen Gruppe gesprochen werden. Kommt erst einmal ein Talk zustande, schließen sich bald mehrere an, aus einer Teilnehmerin wird nicht selten Gastgeberin. Dann können so viele Treffen stattfinden, wie Eltern Interesse haben und andere Eltern einladen, vorausgesetzt die Moderatorin hat dann auch Zeit. Die Nachfrage bestimmt auch ein Stück weit das Angebot. Meine persönliche Erfahrung als Landkreisbeauftragte von Pfaffenhofen ist, dass sich die Talks meistens sehr gut verteilen.

Für "Eltern im Netz" bedankt sich Christine Bulla für das nette und informative Gespräch!

Bildungswissenschaftlerin (B.A.) Eva Schröder ist Mitarbeiterin für den Bereich Elternbildung beim Sachgebiet Familie, Jugend und Bildung am Landratsamt Pfaffenhofen. Sie ist die Regionalbeauftragte des Projekts ELTERNTALK.