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Neue Studie zur Mediennutzung von Kindern und Jugendlichen

Was ist die BLIKK Studie?

Wesentliche Ergebnisse im Überblick

Tipps zum verantwortungsbewussten Umgang mit den Medien

Weiterführende Links

Was ist die BLIKK Studie?

Unter der Schirmherrschaft der Drogenbeauftragten der Bundesregierung, Marlene Mortler (CDU/CSU), und mit Förderung des Bundesministeriums für Gesundheit wurden 5.573 Eltern und deren Kinder bis 14 Jahren im Rahmen des Projekts "BLIKK‐Medien" von Kinderärzten zum Umgang mit digitalen Medien befragt. Zudem wurden die Ergebnisse der frühkindlichen Untersuchungen miteinbezogen
(BLIKK = Bewältigung, Lernverhalten, Intelligenz, Kompetenz, Kommunikation).

Wesentliche Ergebnisse der Studie im Überblick:

Mit der vorgestellten Ergebnissen der BLIKK-Medienstudie werden nun auch die gesundheitlichen Risiken übermäßigen Medienkonsums für Kinder immer deutlicher. Sie reichen von Fütter- und Einschlafstörungen bei Babys über Sprachentwicklungsstörungen bei Kleinkindern bis zu Konzentrationsstörungen im Grundschulalter. Wenn der Medienkonsum bei Kind oder Eltern auffallend hoch ist, stellen Kinder- und Jugendärzte weit überdurchschnittlich entsprechende Auffälligkeiten fest.

  • 70 % der Kinder im Kita-Alter benutzen das Smartphone ihrer Eltern mehr als eine halbe Stunde täglich.
  • Es gibt einen Zusammenhang zwischen einer intensiven Mediennutzung und Entwicklungsstörungen der Kinder.
  • Bei Kindern bis zum 6. Lebensjahr finden sich vermehrt Sprachentwicklungsstörungen sowie motorische Hyperaktivität bei denjenigen, die intensiv Medien nutzen.
  • Wird eine digitale Medienkompetenz nicht frühzeitig erlernt, besteht ein erhöhtes Risiko, den Umgang mit den digitalen Medien nicht kontrollieren zu können.

Dazu die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marlene Mortler:
"Diese Studie ist ein absolutes Novum. Sie zeigt, welche gesundheitlichen Folgen Kinder erleiden können, wenn sie im digitalen Kosmos in der Entwicklung eigener Medienkompetenz allein gelassen werden, ohne die Hilfe von Eltern, Pädagogen sowie Kinder- und Jugendärzten. Für mich ist ganz klar: Wir müssen die gesundheitlichen Risiken der Digitalisierung ernst nehmen! Es ist dringend notwendig, Eltern beim Thema Mediennutzung Orientierung zu geben. Kleinkinder brauchen kein Smartphone. Sie müssen erst einmal lernen, mit beiden Beinen sicher im realen Leben zu stehen. Unter dem Strich ist es höchste Zeit für mehr digitale Fürsorge – durch die Eltern, durch Schulen und Bildungseinrichtungen, aber natürlich auch durch die Politik."

Kinderarzt und Vorstandsmitglied des BVKJ, Dr. Büsching zu den Ergebnissen der Studie:
"Die Sorge der Eltern, ein Kind möge die besten Bedingungen für sein zukünftiges Leben vorfinden, gilt ebenso für Kinder- und Jugendärzte. Mit vorschneller Verordnung von Ergo- oder Sprachtherapie allein lassen sich Gefahren nicht abwenden. Gerade, wenn das Verhalten oder die Entwicklung auffällig ist, sollte immer auch ein unangebrachter Umgang der Eltern wie der Kinder mit Medien in Betracht gezogen werden. Eine Medienanamnese und eine qualifizierte Medienberatung muss zukünftig die Früherkennungsuntersuchungen ergänzen."

Institutsleiter Prof. Dr. Riedel dazu:
"Als Fazit der Studie ergibt sich, dass der richtige Umgang mit den digitalen Medien, die durchaus einen berechtigt hohen Stellenwert in Beruf und Gesellschaft eingenommen haben, frühzeitig kontrolliert geübt werden soll. Dabei müssen soziale und ethische Werte wie Verantwortung, reale Kommunikation, Teamgeist und Freundschaft auf allen Ebenen der Erziehung gefördert werden. Kinder und junge Menschen sollen lernen, die Vorteile einer inzwischen globalen digitalen Welt zu nutzen, ohne dabei auf die Erlebnisse mit Freunden im Alltag zu verzichten."

Die Medienpsychologin Dr. Astrid Carolus macht in einem Interview jedoch deutlich, dass aus der Studie nicht klar hervorginge, dass Smartphones per se für die gesundheitlichen Probleme verantwortlich sind. Nachgewiesen worden seien lediglich statistisch bedeutsame Zusammenhänge, aber keine eindeutige Beziehung zwischen Ursache und Wirkung. Es wird nur aufgezeigt, dass einige der Kinder und Jugendlichen, die Medien nutzen, bestimmte Eigenschaften aufweisen. Ob diese Eigenschaft allerdings durch den Medienkonsum hervorgerufen wurde oder ob die Eigenschaft auch so vorhanden wäre, das wird durch die Studie nicht klar.

Für die Psychologin und die beteiligten Ärzte der Studie ist deshalb ein generelles Smartphoneverbot für Kinder keine realistische Lösung. Kinder wachsen in einer digitalen Welt auf und müssen den verantwortungsbewussten Umgang mit den Geräten lernen z. B. gemeinsam mit den Eltern oder in Kindergarten und Schule. Eine Stärkung der Medienkompetenz sowohl der Eltern, als auch der Kinder ist deshalb enorm wichtig.

Tipps zum verantwortungsbewussten Medienkonsum

Aus der Diskussion wird deutlich, dass Medienkompetenz und Medienerziehung ein immer bedeutenderes Thema wird, mit dem sich Eltern und andere Erziehungsberechtigte auseinandersetzen müssen. Genauso wenig wie der Fernseher, darf das Smartphone oder das Tablet ein "Babysitter" für das Kind sein.
Trotzdem können Kleinkinder ab drei Jahren neben ihren analogen Medien wie Büchern und Hörspielen in Begleitung ihrer Eltern gute Sendungen im Fernsehen sowie geeignete Vorlese-Apps am Smartphone oder Tablet für sich entdecken und ab der Grundschule die ersten Schritte im Internet machen.

Bei jungen Kindern im Vorschulalter Medien gemeinsam nutzen

Dabei ist entscheidend, dass Sie als Eltern von Kindern ab drei Jahren von Anfang an die Medieninhalte gezielt auswählen und Zeiten setzen. Begleiten Sie Ihr Kind bei der Mediennutzung. So haben Sie die Möglichkeit, auf Fragen einzugehen und die App oder die Sendung gegebenenfalls zu unterbrechen, wenn Ihr Kind verängstigt oder überfordert ist.

Medien verstehen und kritisch einschätzen statt verbieten

Helfen Sie Ihrem Kind vor dem Einstieg in die digitale Welt dabei, sich kritisch damit auseinanderzusetzen. Gehen Sie auf Vor- und Nachteile ein. Kontoeinstellungen sollten auf "privat" gesetzt sein. Es sollte besprochen werden, was die Kinder posten dürfen, dass sie stets die eigenen und fremden Persönlichkeitsrechte bewahren. Hier gilt, wie auf allen anderen Chats und Social-Media-Plattformen auch, dass Kinder und Jugendliche (und natürlich auch Erwachsene) nichts posten oder verschicken sollten, was ihnen oder den Freunden später unangenehm sein könnte.
Ein generelles Medienverbot als Strafe sollte nur vorübergehend erfolgen, da die sozialen Netzwerke und mobile Messenger-Apps oft sehr wichtig für die sozialen Kontakte des Kindes sind. Machen Sie jedoch immer deutlich, dass das "reale" Leben weitergeht, auch wenn das "digitale" Leben mal kurz eine Auszeit bekommt.

Als Eltern ein Vorbild in Sachen Mediennutzung sein

Beim Gespräch mit anwesenden Personen, haben diese Personen Vorrang vor dem Smartphone. Seien Sie kritisch und hinterfragen Sie Ihr eigenes Medienverhalten. Müssen Sie beim Essen neben Ihrem Kind die Arbeitsmail beantworten oder die Neuigkeiten auf Facebook checken? Manchmal hilft es, das Smartphone einfach mal abzuschalten.

Nachts gehört das Smartphone nicht ans Bett!

Gerade nachts sollte das Smartphone nicht griffbereit im Vibrationsmodus neben dem Bett liegen, sondern in einem anderen Raum. Zum einen ist das blaue Licht vom Bildschirm schlecht für den Schlaf, zum anderen ist der Schlaf wenig erholsam, vibriert das Gerät ständig beim Empfang von WhatsApp- oder sonstigen Push-Benachrichtigungen etc.

Abwechslung bieten

Die digitalen Spiele sollten – gerade für kleine Kinder – nur eine von verschiedenen Freizeitgestaltungsmöglichkeiten sein und keine dauerhafte Lösung gegen Langeweile.

Weiterführende Links

Tipps von Schau hin! zum Thema Medienkonsum

Pressemitteilung der Drogenbeauftragten zur Studie

Die BLIKK Studie

Die GMK fordert kindgerechte Medienbildung von Anfang an

Interview mit Medienpsychologin Dr. Astrid Carolus