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Mit Kindern über schlimme Nachrichten sprechen

Familie Vor Dem Fernseher
Bilder von Krieg, Terroranschlägen, Amokläufen, Anschlägen und Naturkatastrophen sind leider aus den aktuellen Nachrichten nicht mehr wegzudenken. Verunsichert werden davon nicht nur die Erwachsenen – auch Kinder bekommen sehr genau mit, wie die aktuelle Lage der Welt aussieht.

 

 

 

Dabei ist klar, dass viele der Bilder aus den "Nachrichten für die Großen" Kinder komplett verängstigen können. Denn Kindern fehlt die Möglichkeit, sich von den Bildern zu distanzieren. Sie können diese noch nicht so gezielt einordnen wie Erwachsen. Bei Kindern steigt mit jeder Schreckensmeldung (noch stärker als bei Erwachsenen) die Angst, auch in so eine Situation zu geraten. Dabei gilt, je stärker (also brutaler) die Bilder, umso stärker ist die Angst.

Wodurch entsteht beim Fernsehen die Furcht?

Kinder sind informiert und Kinder wollen informiert sein

Wie spreche ich mit Kindern über schlimme Bilder im Fernsehen?

Wo können sich Kinder informieren?

 

Wodurch entsteht beim Fernsehen die Furcht?

Menschen werden nicht medienkompetent geboren, sie erwerben Medienkompetenz erst im Laufe ihres Lebens. So sind Kinder erst ab etwa zehn Jahren in der Lage, Nachrichten als einen journalistischen Beitrag zu verstehen und richtig zu verarbeiten. Und was Kinder nicht verstehen, was sie nicht einordnen können, das macht ihnen Angst.

Beim Fernsehen wirken die schlimmen Bilder von Krieg und Terror im Fernsehen auf drei Ebenen: Zum einen durch ein direktes Furchterleben beim Anblick von Zerstörung, Angst und Leid. Zum zweiten, weil die gezeigten Augenzeugen ebenfalls Angst haben und zuletzt auch dadurch, dass die mitsehenden Eltern oder Geschwister vor dem Fernseher durch die gezeigten Bildern verängstigt sind.

Kinder und Jugendliche verarbeiten Nachrichten komplett unterschiedlich, je nach Alter und Geschlecht

Junge Kinder zeigen oft wenig Angst vor den gezeigten Bildern, denn sie verstehen sie noch nicht in vollem Ausmaß. Werden sie älter, haben sie Angst, denn sie begreifen, was gezeigt wird. Sind die Kinder noch älter, so reduziert sich die Angst wieder etwas, weil sie die Bilder besser ein- und zuordnen können. Bei älteren Kindern ist es allerdings so, dass sie mehr Angst haben, je näher die Gefahr zu sein scheint.

Und auch die Haltung und das Verhalten der Eltern spielt eine Rolle dabei, wie Kinder auf Nachrichten reagieren: Sitzt die Mutter oder der Vater ruhig vor den Nachrichten und sieht sich diese ohne wertende Kommentare an, so bleiben auch die Kinder ruhig. Ist sie/er jedoch panisch oder wütend wegen einer Nachricht oder schimpft auf die Politiker, so wird sich diese Emotion auf die Kinder übertragen. Denn die elterliche Angst verstärkt die kindliche Verunsicherung. Trotzdem sollten Eltern ihre eigenen Ängste nicht verschweigen, sich jedoch nicht von ihnen mitreißen lassen und ihre Angst so direkt an die Kinder weitergeben. Sonst bekommen Kinder das Gefühl, dass die Erwachsenen, die auf sie aufpassen und sie beschützen sollen, selbst hilf- und schutzlos sind. Zudem kommt die Angst, dass ihnen oder ihren Eltern etwas ähnliche passieren wird. Gerade jüngere Kinder bauen schreckliche Bilder direkt in ihr eigenes Leben ein und fühlen sich selbst bedroht. Besser ist es deshalb, wenn Sie als Eltern eine kritische Situation möglichst sachlich und ohne zusätzliche Spekulationen beurteilen.

Kinder sind informiert und Kinder wollen informiert sein

Kinder von den Nachrichten fernzuhalten, ist unrealistisch und für die Kinder selbst sogar problematisch

Wenn die Kinder mitbekommen, dass die Eltern ihnen etwas verschweigen, macht ihnen das unter Umständen noch mehr Angst. Studien zeigen: Kinder wissen in den meisten Fällen von schlimmen Ereignissen, sei es ein Terroranschlag, ein gesunkenes Boot mit Flüchtlingen oder ein Giftgasanschlag. Sie laufen morgens an Zeitungskästen vorbei, sehen beiläufig Ausschnitte im Fernsehen, hören etwas im Radio oder schnappen Gesprächsfetzen der Eltern oder in der Schule auf. Allerdings haben Kinder eher "Wissenshügel", also und kein fundiertes Basiswissen, auf Grund dessen sie die aktuellen Geschehnisse einordnen können.

Wichtig ist es, den Kindern bei der Einordnung dabei zu helfen

Kinder wollen ihre Welt verstehen und suchen nach Orientierung. Dabei haben sie viele Fragen, vor allem Sachfragen, und wollen dafür einfache und verständliche Antworten und Faktenwissen haben. Gerade die Sichtweisen und Erlebnisse von anderen Kindern sind dabei für sie spannend.

Besonders wichtig ist es, Kinder nur altersangemessen und jugendschutzgerecht über Krieg, Krisen und Katastrophen zu informieren. Denn bereits Bilder von leichten Verletzungen und Blut lösen bei vielen Angstreaktionen (und Albträume) aus, die dazu führen, dass sie die weitere Medienberichterstattung meiden.

Wie spreche ich mit Kindern über schlimme Bilder im Fernsehen?

Zu allererst ist es wichtig herauszufinden, was das Kind schon weiß. Welche Bilder hat es gesehen, was macht ihm Angst, was beschäftigt es besonders, wo sind offene Fragen? Je nach Alter des Kindes interessiert es sich für unterschiedliche Aspekte einer Nachricht. Würden Sie Ihrem Kind einfach alles schildern, was sie selbst über ein bestimmtes Thema wissen, würden Sie Ihr Kind möglicherweise verwirren oder noch weiter ängstigen.
Wichtig ist, dass Sie die Angst- und Trauergefühle Ihres Kindes ernst nehmen. Beschwichtigen Sie nicht und spielen sie die Gefühle Ihrer Tochter oder Ihres Sohns nicht herunter, sondern nehmen Sie Ihr Kind und seine Gefühle ernst.

Meistens wollen Kinder, nachdem sie von einer schlimmen Nachricht erfahren haben, eine Möglichkeit haben, die Gefahr für sich einschätzen zu können.

Bei jüngeren Kindern in der Grundschule sind gezielt geführte Gespräch über das Gesehene wichtig. Nehmen Sie Ihrem jungen Kind die Ängste, in dem sie erklären, dass den Menschen vor Ort geholfen wird, dass die Polizei alles wieder in Ordnung bringen wird.

Bei älteren Kindern ab etwa zehn Jahren ist das Zuhören die beste Begleitung. Lassen Sie Ihr Kind erzählen und reden Sie entlang der kindlichen Bedürfnisse beruhigend mit Ihrem Kind. Beantworten Sie mögliche Fragen oder informieren Sie sich gegebenenfalls gemeinsam mit Ihren Kindern auf kindgerechten Nachrichtenseiten im Internet, wenn Sie selbst die Antworten auf bestimmte Fragen nicht parat haben.

Wo können sich Kinder informieren?

In Nachrichtenformaten, die sich an ein erwachsenes Publikum richten, müssen Eltern immer mit Bildern rechnen, die für Kinder nicht geeignet sind, da sie aufgrund ihrer expliziten, brutalen Darstellung verängstigen und sie verunsichern. Für Erwachsene sind diese Bilder (meist) einfacher zu ertragen und haben deshalb im Rahmen der Berichterstattung ihre Berechtigung.

Kindernachrichten im Fernsehen

Für Kinder eignen sich deshalb am besten die Kindernachrichten im Fernsehen. Gute Kindernachrichten erklären komplizierte Sachverhalten kindgerecht und ohne verängstigende Bilder. Studien zufolge informieren Kindernachrichten weniger dramatisierend als Nachrichten für Erwachsene, sie berichten optimistischer über schlimme Ereignisse und stellen Hilfsmaßnahmen und die Problembewältigung in den Vordergrund. Dabei nehmen sie die Kinder als Zielgruppe ernst.

In guten Kindernachrichten werden aktuelle Ereignisse

  • kindgerecht – und dabei nicht kindisch oder verniedlicht – umgesetzt (keine blutigen Bilder werden verwendet).
  • einfach verständlich erklärt (keine Verwendung von „Erwachsenensprache“, also Fachbegriffen und Fremdwörtern).
  • anhand von kindgerechten Schaubildern und Comics veranschaulicht.
  • den Kindern im Zusammenhang erklärt. Dabei wird kein Hintergrundwissen vorausgesetzt.

Im deutschen Fernsehen gibt es allerdings bislang nur wenige Kindernachrichten. Wie diese im FLIMMO, dem Programmberater für Eltern bewertet werden, lesen Sie hier:

Logo! (ZDF/KiKA – für Kinder ab 7 Jahren): In verständlicher Form werden Weltgeschehen, politische Ereignisse und für Kinder interessante Themen aus Umwelt und Sport aufgegriffen. Neben tagesaktuellen Meldungen bieten Berichte ausführliche Hintergrundinformationen.

Neuneinhalb (Das Erste – für Kinder ab 7 Jahren): In nur neuneinhalb Minuten wird ein aktuelles Thema aus Politik, Gesellschaft und Zeitgeschehen unter die Lupe genommen. Die verschiedenen Moderatoren berichten vor Ort und bringen mit anschaulichen Erklärungen, Beispielen und kurzen Filmbeiträgen Klarheit in für Kinder oft schwer verständliche Zusammenhänge.

Daneben sendet Arte noch das ARTE Junior Journal für Kinder zwischen 10 und 14 Jahren, in welchem Themen aus der ganzen Welt für Kinder aufbereitet werden.

Online-Kindernachrichtenportale

http://www.blinde-kuh.de/aktuell/

http://sowieso.de/portal/

http://www.tivi.de/fernsehen/logo/start/index.html

http://www.kindernetz.de/minitz

Kindernachrichten im Radio

Kindernachrichten vom BR: http://www.br.de/extra/kinder/index.html

Kindernachrichten vom WDR: http://www1.wdr.de/kinder/radio/kiraka/hoeren/klicker/index.html

Kindernachrichten vom NDR: http://www.ndr.de/info/podcast4096.html

Kindernachrichten vom Deutschlandfunk: http://www.kakadu.de/